Interview: William Fitzsimmons in Zürich, 05.10.2018

Wir hatten die Ehre kurz vor seinem Gig im Kaufleuten den amerikanischen Singer/Songwriter William Fitzsimmons zu interviewen. Zusammen mit seinem Buddy Joshua Radin ist er momentan auf einer grossen EU Tour und wird ziemlich sicher viele neue Fans dazu gewinnen. Der Sänger aus Pittsburgh ist mir nich nur dank seinen tollen Songs in Erinnerung geblieben, sondern auch wegen seinem manchmal etwas schwarzem Humor und natürlich wegen seinem tollen Bart.

William Fitzsimmons ist bereits seit einer Weile im Business aber irgendwie gibts es unglaublich viele Leute die ihn nicht kennen. Dies obwohl die meisten seine Songs wahrscheinlich schon öfters gehört haben. Viele seiner Lieder haben es in grosse TV Serien geschafft: Grey’s Anatomy, Teen Wolf oder Blue Bloods um nur ein paar davon zu nennen. Ich war natürlich super happy, die Chance zu erhalten mit diesem extrem interessanten und talentierten Sänger zu quatschen. Schaut unbedingt auch noch mein zweites Interview mit Joshua Radin an, ihn konnte ich mir am selben Abend auch noch schnappen: Interview with Joshua Radin.

Interview mit William Fitzsimmons

Hi William, es ist toll dich wieder zu sehen. Vor ein paar Monaten habe ich einer deiner Shows in der City Winery in New York gesehen. Seit dann wollte ich dich fragen, wie solche Shows für dich sind. Während du auf der Bühne stehst, sitzen die Gäste an Tischen und essen zu Abend. Es ist dadurch auch ziemlich laut…
Ja, ich mache darüber öfters mal Witze, weil ich mich da ein bisschen wie ein Affe im Zoo fühle. Es ist natürlich schon etwas weniger persönlich und nimmt die intimität etwas weg. Aber das ist ja von anfang an klar, wir wissen ja worauf wir uns einlassen und wofür wir bezahlt werden. Für die Gäste ist es trotzdem cool, das ist genau was sie wollen, gemütlich mit Freunden zu Abend essen aber trotzdem etwas Entertainment auf der Bühne zu haben. Darum ist das auch völlig ok. Ich liebe die City Winery Locations, das war echt eine tolle Tour.

Dein neues Album Mission Bell ist endlich da – ist es nur mein Gefühl oder sind deine Lyrics etwas simpler und eindeutiger geworden?
Oh ja, da hast du absolut recht. Ich bin nicht wirklich poetisch, ich bin etwas von diesem „cleveren“ weg. Ich mag das nicht mehr so. Manchmals ist es zwar toll, wenn man richtig in einen Song eintauchen muss um das Puzzle zu vervollständigen. Es lohnt sich auch wenn man dann rausfindet, was in dem Song thematisiert wird. Ich finde es gibt einem aber auch ein gutes Gefühl wenn man einfach etwas so sagt wie es ist. Eine meiner Lieblingsalben ist Carrie & Lowell von Sufjan Stevens – dort gibt es im Lied Fourth of July einen Satz wo er wortwörtlich sagt „we’re all gonna die“ (wir werden alle sterben). Das ist mir echt krass eingefahren. Klar hätte man das auch etwas blumiger sagen können – und Sufjan kann das auch – aber einfach weil er es genau so gesagt hatte, schmerzte es so richtig, aber auf eine gute Art und Weise. Sags einfach so wies ist!

Genau, ich glaube vor allem für nicht muttersprachige Leute kann es manchmal etwas schwierig werden Lyrics richtig zu deuten oder zu verstehen…
Auf jeden Fall, es gibt auch für mich noch Lieder, einige meiner Lieblingssongs sogar, die ich auf Englisch noch nicht mal richtig verstehe und absolut keine Ahnung habe was der da singt. Aber das ist auch ok so, wir sollten ja unsere eigene Geschichte und unsere Gefühle auf die Kunst projezieren, welche wir mögen. Ich höre auch keine Songs von z.B. Nick Drake und versuche herauszufinden was er genau fühlt. Ich versuche meine eigenen Emotionen zu wecken während dem ich seine Musik höre. Das ist genau der Grund warum ich seine Musik so mag, weil ich etwas fühle wenn ich sie höre. 

Deine Songs sind immer sehr persönlich und sehr oft ziemlich traurig. Ist das schreiben dieser Songs für dich eine Art Therapie?
Weisst du, ich wünschte ich müsste diese Song gar nicht schreiben… Vieles ist natürlich auch meine eigene Schuld wenn ich ehrlich bin. Ich habe viele schlechte Entscheidungen getroffen in meinem Leben. Ich bin also nicht nur das Opfer, und ich habe es mir ja ausgesucht die Songs zu schreiben. Es ist auf jedenfall hilfreich am anfang, einfach mal alles raus zu lassen und auf Papier zu bringen. Während dem Schreiben lass ich schon sehr viel Emotionen aus mir raus… Während den Konzerten geht es mir dann mehr drum, dass das Publikum eine gute Zeit hat. Wenn ich da zu fest in mich rein gehe, kann ich manchmal schon ganz schön weird werden auf der Bühne. Ich auch schon mal angefangen zu weinen während einer Show. Das ist kein schöner Anblick und dann geht es auch nicht mehr um das Publikum. Die Show muss für die Leute sein, nicht nur für mich. Wenn ich eine super Zeit habe, das Publikum aber nicht, hab ich dann wirklich meinen Job als Künstler gemacht? Ich denke nicht. Du möchtest, dass die Leute etwas fühlen, du möchtest einfach die Wahrheit rauslassen. Aber ja, es ist eine gute Frage, echt schwierig manchmal…

Stimmt, grundsätzlich möchtest du deinen Schmerz loslassen und es einfach rausschreien. Vielleicht kommt dann sogar ein Song dabei raus, den die Leute immer wieder hören möchten…
Genau! Manchmal kommst du zu einer Zeile im Song der dich dann so richtig mitnimmt, du warst in dem Moment einfach noch nicht bereit dafür. Ja, ich gehe zur Zeit echt durch die Hölle, es ist wirklich sehr hart. Ich hab aber auch echt Glück, dass ich mit meinen Freunden unterwegs bin, meine Band, Crew und alle die dabei sind, sind meine richtigen Freunde. Enge freunde. Ich vertraue ihnen und sie erlaube es mir auch mal mich auszukotzen. Letztens war ich während mehreren Stunden mit Adam (Landry), meinem Gitaristen und Produzenten des Albums, einfach zusammen weg. Wir haben getrunken, ein paar Zigaretten geraucht, geredet und Kaffee getrunken. Es tat einfach gut!

Ja klar, mit Freunden auf Tour sein zu können, ist natürlich super!
Absolut! Es ist auch lustig, wie viele Leute sich manchmal vorstellen wie solch eine Tour ist – es ist meistens genau das Gegenteil. Klar, ich sitze jetzt hier mit dir, wir haben ein tolles Gespräch, trinken ein Bierchen. Wir reisen in einem tollen Tourbus, essen tolles Essen und alles. Es ist super! Aber diese Art von Arbeit bringt auch Schattenseiten mit sich. Emotional musst du schon immer wieder etwas einbüssen. Vor allem bei der Art von Musik welche wir machen. Wenn wir Partymusik machen würden, wäre es etwas anderes. Ich habe Kinder zuhause, ich  habe Verpflichtungen. Es ist nicht immer alles schwarz/weiss. Verstehe mich nicht falsch, ich beklage mich nicht, es gibt sicher viele andere Jobs die um einiges härter sind wie meiner… Kennst du Mark Kozelek (Sun Kil Moon), er ist einer meiner Lieblingssongwriter. Er ist ziemlich brutal und sagt was er denkt. Er hatte letztens diesen Satz geschrieben: Songwriting is painful, songwriting hurts (Songs zu schreiben ist schmerzvoll, songs zu schreiben tut weh). Ask Elliott Smith, und zählt einige weitere Songwriter auf welche so depressiv waren, dass sie sich am schluss das Leben genommen haben. Ich glaube, wenn du dich künstlerisch ausdrücken willst, egal in welcher Form, wirst du emotional immer etwas leiden, wenn du es richtig machst. Du gehtst an Orte welche du sonst nicht hingehen würdest. Für viele ist dies dann eben ein sehr dunkler und trauriger Ort. Du stellst dich verschiedenen Sachen in deinem Leben, welchen du normalerweise aus dem Weg gehen würdest.

Du warst jetzt schon eine Zeit mit Joshua Radin auf Tour. Ihr seid auch schon eine Weile gute Freunde. Hast du Joshua Radin kennengelernt, bevor er mit der Musik anfing?
Wir haben uns das erste mal in LA getroffen, im Hotel Cafe. Ich habe dort einer meiner ersten Auftritte gehabt. Joshs Freundin zu der Zeit kannte mich und hat ihn schon davor „gewarnt“, dass er mich und meine Musik mögen wird. Und hier sind wir jetzt. Jedes Mal wenn wir in der gleichen Stadt waren, haben wir uns auf ein paar Drinks getroffen. Das ist das coole an Tourneen. Du kannst solche Freundschaften aufbauen. Du bist immer wieder an den selben Orten. Ach, ich bin dann und dann in New York, dann kann ich xy anrufen. Das ist cool!

Fan Fragen

Sila: Was war der tollste Ort bzw die schönste Location in welcher du gespielt hast? 
Oh, das ist eine gute Frage. Ich habe natürlich schon etliche shitty locations auf meiner Liste. Aber auch viele ganz tolle. Wir haben bereits in ein paar Kirchen gespielt. In alten Kathedralen zu spielen ist schon seehr speziell; aus Sicht der Musik aber auch spirituel gesehen. Sogar wenn du nicht religiös bist, läufst du in die Kirchen und denkst dir, wenn ich jetzt ein Fluchwort in den Mund nehme, werde ich wohl gleich vom Blitz getroffen. Wenn du dann in einer solchen Umgebung Musik spielen kannst, ist das schon gewaltig.

Ach und dann war noch dieses eine Mal, ich kann mich nicht an den Namen der Stadt erinnern, aber es war in Italien in dieser riesigen Villa. Da war eine Art Amphiteater auf dem Areal mit einem sehr grossen Teich mit Fischen und kleinen Lichtern. Rund herum waren gepflasterte Wege die von Kerzen umsäumt waren. Die Leute sassen überall auf den Wegen um den Teich, während wir gleich hinter der Bühne einen kleinen Wasserfall hatten. Es war wie in einem Disney Film. Das war für alle wirklich etwas besonderes, die ganze Atmosphäre war magisch.

Sandra: Was ist das Beste daran mit Joshua Radin zu touren?
Ich glaube, dass wir einfach gute Freunde sind. Manchmal ist es zwar auch toll mit jemandem zu touren den du nicht kennst, aber auch nur wenn du gut mit dieser Person auskommst. Ich glaube die meisten Künstler würden aber sagen, dass sie es bevorzugen mit Leuten zu touren, welche sie kennen und mögen. Du bist immerhin Wochen oder Monatelang zusammen im gleichen Bus. Wenn du da mit jemandem unterwegs bist, mit welchem du – warum auch immer – nicht so gut auskommst, dann kann sich ein Monat schnell mal wie 6 Monate anfühlen. Ich glaube auch, dass es einen Einfluss auf die Shows hat. Aber ja, ich glaube bei Josh ist es wirklich die Freundschaft.

Beende den Satz

Bevor ich ins Bett gehe… bete ich – meistens…
Ich schreibe meine besten Songs wenn ich… traurig bin.
Schokolade ist… wunderbar!
Waschbären sind… Ekelhaft, die Viecher fressen Müll. Ich mag kleine Dinge einfach nicht; kleine Hunde, Nagetiere. Da läufts mir Eiskalt den Rücken runter wenn ich die sehe. Ich mag auch Possums nicht, einfach eklig… 

Alles klar, das wars auch schon. Vielen Dank, dass du dir die Zeit für uns genommen hast!
Kein Problem, es war cool. Der letzte Teil vor allem, die Sätze zu vervollständigen war klasse. In der Psychologie nennen wir das Projektive Tests. Du nimmst etwas neutrales und lässt die Person ihre personalität auf diesen Stimulus projezieren. Es ist das gleiche wie Rorschach Tintenkleckstest, wo du jemandem Bilder von Tintenklecksen zeigst.

Wir haben dann noch ein wenig länger über diese Test und Psychologie geredet, was wirklich sehr interessant war. Die Details erspar ich euch jetzt aber hier 😉

Schaut unbedingt, dass ihr William Fitzsimmons mal abcheckt! Ich persönlich mochte ihn ja schon vorher, aber nach diesem Gespräch mag ich ihn und seine Musik sogar noch mehr!

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Ein grosses Dankeschön auch an AllBlues Konzert AG fürs organisieren des Interviews!

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