Interview: Joshua Radin in Zürich, 05.10.2018

Wenn ihr Loads of Music schon eine weile folgt, habt ihr diesen Namen bestimmt schon einige Male gehört. Ihr könnt euch sicherlich auch vorstellen wie aufgeregt ich war, als ich erfahren haben, dass ich diesen Musiker interviewen darf. Es war toll, dass ich mich mit Joshua Radin hinsetzen durfte und ihm ein paar Fragen zu stellen über die Tour, seine Musik und William Fitzsimmons.

Ich kenne Joshua Radin nun schon fast 10 Jahre… Seine Stimme und seine Musik faszinieren mich immer noch. Falls ihr ihn noch nicht kennt, unbedingt gleich nachholen. Am besten gleich jetzt  live, er ist noch für eine Weile auf einer grossen EU Tour zusammen mit William Fitzsimmons, den ich am gleichen Tag auch noch interviewen durfte (hier findest du das Interview: Interview with William Fitzsimmons).

Interview mit Joshua Radin

Vor genau 10 Jahren ist dein erstes Studio Album “Simple Times” raus gekommen. Wie hast du dich seit damals verändert bzw weiterentwickelt?  
Ich glaube ich habe mich gar nicht so stark verändert. Ich fühle mich sicherer auf der Bühne und nehme mich selbst nicht mehr ganz so ernst wie früher – nicht das ich mich je zu ernst genommen habe. Ich bin eifach sehr happy, dass die Leute meine Musik immer noch mögen und an meine Shows kommen. Das ist wirklich ein Geschenk! 

Dein zweites Album war “The Rock and the Tide” – ein etwas anderes Album. Was denkst du heute über das Album. Du singst eigentlich keine der Songs mehr von dieser Platte (ausser You Got What I Need).
Dieses Album aufzunehmen war echt toll. Ich hatte diese Dänische Band in einem Studio in London. Wir spielten Rock, naja, Rock für mich. Ich habe wieder die elektrische Gitarre gespielt. Mit dem Album bin ich dann eine Weile auf Tour – diese Shows machten echt Spass. Aber dann habe ich von vielen Fans Nachrichten erhalten in denen sie mir sagten, sie wollen wieder den alten Style zurück haben. Die Musik in die sie sich damals verliebten… Dann hab ich halt etwas weniger Rock und mehr Folk gemacht. Es kamen dann auch Solo Acoustic Shows dazu, nur ich und meine Gitarre. Ich erzählte Geschichten und nahm Song-Wünsche entgegen. So habe ich dann diese intimität echt lieben gelernt. Ich sage jetzt nicht, dass ich nie mehr solch ein Album aufnehmen würde… Ich denke, wenn man eine kreative Person in eine Box zwängen möchte, wird diese Person immer wieder versuchen dort auszubrechen. Das its was mit mir passierte nach Simple Times. Mein Label zu der Zeit wollte, dass ich der nächste xyz werde, ein anderer Singer Songwriter mit einer Gitarre – meine Kopf hat dann automatisch gesagt, dann mach ich was ganz anderes! Ich will nicht in diese Box gezwängt werden. Natürlich hab ich dann das Problem, dass ich immer wieder meine Meinung ändere. Meine Managerin kann davon ganze Bücher schreiben 🙂 Ich rufe sie an und sage ihr, dass die nächste Tour mit Fullband sein soll und alles. Wir suchen die passenden Locations und 3 Monate später rufe ich sie an: halt stop, moment… ich will was anderes… Sie meint dann nur: entscheide dich eeendlich mal!   

Wir wissen aber inzwischen, dass ein neues Album auf dem Weg ist. Du hattest vor einer Weile auf Twitter verraten, dass du im November wieder ins Studio gehst. Wir dieses Album wieder eine Art Thema haben, Onward and Sideways war ja quasi ein grosser Liebesbrief.
Hmmm, nein, ich würde nicht sagen, dass es hier wieder ein spezifisches Thema gebenn wird. Es sind einfach ein paar Seiten aus meinem Tagebuch. Da ich aber auch noch nicht angefangen habe aufzunehmen, kann sich das auch noch ändern, dass sehe ich dann vor Ort. Da muss man immer offen bleiben. 

Du hattest erwähnt, dass du auf dieser Tour auch ein paar neue Songs performen wirst…
Oh ja, ich habe bereits ein paar neue Songs während der letzten beiden Shows getestet und war super überrascht über das gute Feedback des Publikums. Ich werde evtl. noch ein weiteres neues Lied auf die Setlist nehmen. Es ist toll, wenn man die neuen Songs noch vor dem aufnehmen testen kann. Es gibt mir auch mehr selbstvertrauen wenn ein Livepublikum das Lied so gut aufnimmt obwohl sie den Song gar nicht kennen. Viele Leute kommen an ein Konzert um die Songs zu hören, die sie auch kennen. Das ist toll, denn ich selbst bin auch ein bisschen so.  Umso schöner ist es für mich als Künstler, wenn ein neuer Song gut ankommt. 

Du bist hier mit William Fitzsimmons – magst du dich noch an den ersten Song erinnern, den du von ihm gehört hast und du so richtig toll fandest?
Ich lass es dich wissen sobald ich so einen Song höre… Ach nur Spass 🙂 Ich glaube wir haben uns so vor 12 oder 13 Jahren kennengelernt. Eine gemeinsame Freundin hatte mir von ihm erzählt und meinte, seine Musik würde mir bestimmt gefallen. Und das stimmte auch, ich kann mich echt nicht mehr an den Song Titel erinnern, ich bin sowieso so schlecht mit den Song Titeln. Ich vergesse sogar meine eigenen manchmal. Lyrics sind ganz ok, aber die Titel… Ich erinnere mich dann an die erste Linie des Refrain und meistens ist das dann auch der Song Titel.

Ich habe auch schon so viele seiner Songs live gehört. Was mir an seinen Songs und auch an seiner Person am meisten gefällt, alles ist miteinander verbunden. Ich liebe es wenn ich einen Singer/Songwriter höre und ich ihm einfach alles glaube das er da singt. Ich nehme es ihm wirklich ab. Ich habe schon viele Sänger gesehen, bei denen ichs ihnen einfach nicht geglaubt habe. Der Typ kann technisch super sein, auch der Song kann toll sein, aber ich fühle es dann bei der Performance einfach nicht. Bei William glaube und fühle ich die Story, Ray Lamontagne ist auch so einer, oder Damien Rice. Es gibt einfach diese Personen, denen kannst du zuschauen und zuhören und sagst: jawohl, ich glaube dir sofort, dass du dies erlebt hast…

Fan Fragen

Corina: Was war das peinlichste, dass dir auf der Bühne passiert ist?
Das ist einfach. Vor einigen Jahren, als ich noch bei einem Major Label war. Die wollten mich zum Popstar machen. Ich war dann in London an einer Radio-Show in einer riesen Arena. Das Publikum bestand grösstenteils aus Teenies die halt eben so Radio-Pop hören. Da war sogar eine Boyband im Programm. Ich sass da in meiner Garderobe und fragte mich was ich da sollte. Ich habe nicht über die anderen geurteilt, alle möglichen Arten von Musik kann ja gut sein, aber ich wusste einfach nicht wie ich da rein passte. Was in Europa auch oft vorkommt, dass man zwar live singt, aber die Instrumente alle ab Band kommen. Ich hatte zwar meine Band auf der Bühne, die spielten auch wirklich, aber die Instrumente waren alle abgestellt. Ich wollte das überhaupt nicht, aber wenn ich mich dem nicht fügen würde, wäre ich nicht teil der Show. Nun gut, dann mach ich das eben. Mitten im Song lief etwas schief und der Sound hörte auf zu spielen. Wir haben das erst ein paar Sekunden später bemerkt. Das war so peinlich! Ich wollte in dem Moment einfach allen sagen, dass ich live spielen kann aber der Veranstalter das nicht erlaubte. Aber das ging ja nicht, ich lief dann kopfschüttelnd und rot angelaufen von der Bühne. Nach diesem Vorfall war für mich klar, ich will nicht in diesem Major Label Zirkus sein. Seit dann bin ich eigentlich auch Indie unterwegs. 

Irina: Was war das verrückteste,dass ein Fan tat um deine Aufmerksamkeit zu bekommen?
Ich habe eigentlich keine so verrückten Fans… Alle sind echt super. Klar, immer wieder mal gibts eine etwas betrunkene Person im Publikum, tanzt alleine vor sich hin und schreit evtl. auch mal was in die Menge. Aber die Person ist meistens einfach nur happy und geniesst die Show. Das ist völlig OK aber natürlich auch amüsant für uns. Aber ja, ich hab echt Glück, meine Fans sind fantastisch und immer sehr respektvoll.

Sandra: Was ist das beste daran mit William Fitzsimmons auf Tour zu sein?
Er ist so lustig! Seinen Humor liebe ich. Ich glaube auch darum sind wir so gute Freunde. Wir mögen es beide zu witzeln, sind aber auch beide sehr sarkastisch. Wir versuchen einander immer wieder zu toppen…

Wortassoziation

Touren –  macht Spass
Haie – gruselig
Tom Petty – der Grösste!
Schweiz – wunderschön
Schokolade – gut, nein, köstlich

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Ein grosses Dankeschön auch an AllBlues Konzert AG fürs organisieren des Interviews!

 

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