Interview & Konzertbilder: Marc Broussard in Zürich und Luzern

Ich freue mich immer noch darüber, dass wir die Chance hatten Marc Broussard zu interviewen. Der super talentierte Musiker war kurz in Zürich letzte Woche. Am nächsten Tag war er dann für seinen Gig in Luzern in der Schüür. Weiter unten findet ihr ein paar Bilder des Abends. Im Interview erfahrt ihr dann was die Pros und Cons als Indie Artist sind und um was es bei seinem nächsten Projekt geht.

Diejenigen die uns seit Anfang an folgen, wissen, dass wir schon seit einiger Zeit Fans von Marc Broussard sind. Unser aller erster Blogpost war sogar über ihn: Marc Broussard – Bayou Soul! Logischerweise sind wir daher auch super happy, dass Marc wieder in der Schweiz war. 

Interview mit Marc Broussard

Willkommen zurück! Es ist doch schon eine Weile her…
Yes, es ist toll wieder hier zu sein, es war definitiv schon viel zu lange her seit dem letzten Besuch. Es müssten jetzt fast 3 Jahre sein seit meinen Auftritten an der SEAT Music Session.

Apropos, du wirst im Oktober wieder bei der Jubiläums Tour der SEAT Music Session dabei sein!
Ja! Ich kann gar nicht glauben, dass ich wieder dabei bin und freue mich riesig. Ich habe gesehen, dass Alain Clark auch dabei ist dieses Jahr. Er ist fantastisch, ich bin ein riesiger Fan. Er ist super, ein echt gut aussehender, fast 2m grosser wunderschöner Mann (Wir beide lachen laut während ich mich nun noch mehr auf die SEAT Music Session freue ;-))

Während diesen Shows performst du jeweils auch mit anderen Artists. Wenn du wählen könntest, mit wem würdest du gerne mal zusammen auftreten?
Definitiv Stevie Wonder! Das wäre super! Da gibt’s z.B. auch noch Emily King, ich bin ein riesen Fan von ihr und würde gerne mal mit ihr singen. Grace Potter ist noch eine weitere fantastische Sängerin mit der ich gerne mal zusammen arbeiten würde.

Macht es dir also grundsätzlich Spass mit anderen Leuten zu arbeiten? Was ist deiner Meinung nach der grösste Unterschied bei Collaborations?
Du hast sicherlich etwas weniger Druck und auch Arbeit.  Ich kann dabei auch mal etwas relaxen für einen kurzen Moment. Collabs sind eigentlich ein extrem starkes „Tool“ in der Musik.  Ich denke vor allem Hip Hop hat hier auf Grund der vielen Kollaborationen stark dominiert und ist damit auch schon fast zur kulturellen Identität geworden. Wenn du zwei Künstler hast die zusammen Lieder aufgenommen haben und diese dann noch zusammen auftreten, können die Kräfte die dort zusammen arbeiten nicht mehr ignoriert werden.  Für einen grossteil meiner Karriere und sogar noch davor, hat unser Genre diese Effekte der Zusammenarbeit fast gänzlich ignoriert.

Es gab Zeiten, da hast du verschiedene Versionen von einem Hitsong zur fast gleichen Zeit gehört. Ein Otis Redding Song wurde nur wenige vor der Version der Rolling Stones gespielt, komischerweise scheint dies in der jetztigen Zeit jedoch nicht mehr zu passieren.

Aber um deine Frage noch etwas kürzer zu beantworten: YES! Es macht riesen Spass. Gibt es in Zukunft vielleicht noch eine Kollaboration von meiner Seite her: YES!

Oh, jetzt wirds aber interessant. Kannst du uns schon etwas mehr darüber verraten?
Also… Es ist ein Projekt an welchem isch schon seit 1 oder 2 Jahren arbeite. Es ist ein Duo Projekt mit einem anderen Sänger und mir. Eventuell holen wir auch noch den einen oder anderen Sänger mit ins Boot. Es wird ein grosses super-soul Projekt sein. Ich weiss noch nicht wie wir es nennen werden, aber wir werden auf jeden Fall eine Menge Spass haben!

Nice, werden wir da selbstgeschriebene Songs zu hören bekommen, oder mehrheitlich Covers wie auf deinen S.O.S Alben?
Es werden alles eigene Songs sein. Alles im super soul Style; die Fans die von anfang an dabei sind, werden wissen was ich meine. Songs wie z.B. „Real Good Thing“, eigentlich so ähnlich wie die meisten Songs auf meinem „Keep Coming Back“ Album. So fangen wir an und gehen aber noch einen Schritt weiter und tiefer in die Soul Region. Es wird schon fast so sein wie ein psychedelischer D’Angelo. 

Auf deinem neuesten Album “Easy To Love” kann ich einige verschiedene Musikstile heraushören. Ein bisschen Funk, Country/Americana und natürlich auch Soul. War das so geplant? 
Ich plane eigentlich nie darauf so schizophrene Alben rauszubringen. Viele sind aber so, es sind immer verschiedene Musikstile auf meinen Alben zu finden. Es ist aber eigentlich nie mit Absicht. Wir gehen einfach ins Studio oder setzen uns hin und schreiben Songs wie sie halt gerade zur Mood passen. Es war aber schon Absicht, etwas von diesem Super Soul Stil weg zu kommen. Viele der Shows welche wir heute spielen, scheinen diese Art von Musik nicht so gut zu vertragen. Oftmals sind wir in Performing Arts Center wo fast ein drittel des Publikums aus Saisonticket Inhaber bestehen. Diese sind oftmals in ihren 60ern oder 70, 80ern.Wir mussten daher unser Set etwas anpassen und zähmen. Wir können aber immer noch richtig Gas geben, dies werden wir dann sicherlich auch hier in der Schweiz machen.

Songs sind ja sehr oft ziemlich persönlich… Vor einer Weile hattest du eine Serie von Blog Posts geschrieben wo du der Öffentlichkeit noch viel mehr von dir erzählst. Wie war das für dich, so etwas persönliches von dir preiszugeben? Ist es anders als wenn du einen Song schreibst?
Ich war schon immer sehr direkt, ich halte mich selten zurück, was mich auch schon oft in Schwierigkeiten gebracht hat. Diese Posts zu schreiben, war daher gar nicht so schwierig. Ich bin sehr offen und ehrlich, zugleich  schäme ich mich auch etwas für meine Vergangenheit; wie ich mit meiner Musik umgegangen bin und wie schlecht ich die Mutter meiner Kinder behandelt habe früher. Diese „Fehler“ so aufzuschreiben war daher einfach. Einen Song zu schreiben kann sogar viel schwieriger sein. Eine sehr persönliche Erfahrung  zu nehmen und sie in lyrische form zu bringen bedeutet, dass man stark auf die kleinen Nuancen achten muss und in gewissen fällen sogar die Geschlechter der jeweiligen Personen neutral halten muss. Es sollten nicht alle details preisgegeben werden, so dass die Geschichte doch relativ „universal“ bleibt. In den Blogposts versuche ich eine bestimmte Geschichte zu erzählen, mit sehr spezifischen Details. In meinen Songs hingegen, ist es genau das Gegenteil, ich versuche eine ziemlich breite Geschichte ohne Details zu vermitteln, so dass all die Zuhörer den Song so interpretieren, dass er auch zu ihrer Geschichte passt. 

Du bist nun schon seit einiger Zeit ein Independent Artist. Was sind so deine Pro’s und Con’s als Indie Artist verglichen zu der Zeit als du bei einem Major Label unter Vertrag warst? Vermisst du sogar etwas von dieser Zeit?
Ganz ehrlich, es gibt wirklich nicht viel, dass ich vermisse. Wenn du heutzutage einen Plattenvertrag bekommst, bist du meist unter Vertrag bei einer Firma welche überwiegend unkreative Leute  einstellen, welche aus welchem Grund auch immer ins Musikbusiness eingestiegen sind. Ziemlich schnell finden dann genau diese Leute Wege um mir bzw dem Künstler Ratschläge zu meinen eben kreativen Projekten zu geben – das ist dann doch etwas schwierig zu verdauen. Ich bin mir sicher, dass viele Leute mir hier nachfühlen können. Es wird immer diese Personen geben, die absolut gar nichts über deinen Job wissen aber trotzdem das Gefühl haben, dir zu sagen wie du genau diesen Job zu machen hast. Und jetzt stell dir vor, du könntest deinen Job machen, ohne diese Leute und gleichzeitig sogar noch mehr Geld machen? Genau das ist für mich passiert als ich mich entschieden habe Indie zu gehen. Es gibt also eigentlich nur positives.

Klar, Geld ist und wird immer ein Problem sein. Aber ganz ehrlich, auch wenn plötzlich ein Millionär da stehen würde und mir versprechen würde, alle meine Aufnahmen von heute an zu zahlen, ich würde trotzdem nicht all das Geld dafür verprassen. Ich habe schon Alben aufgenommen für einen 5 und sogar 6 stelligen Betrag. Einen grossen Unterschied hört man da nicht zu den Alben, die ich für 15‘000 Dollar aufgenommen habe. Höchstens, dass das teuerere Album sogar weniger kreativ und engagiert tönt. Wenn du endlos viel Kohle hast und ein Problem auftaucht, schmeisst du meistens einfach danach mit Geld und löst das Problem so. Wenn du eben kein Geld hast, musst du kreativ werden und das Problem anders lösen…

Gibt es etwas, was du nie gefragt wirst in Interviews aber deinen Fans gerne mal  mitteilen möchtest?  
Hmmm eigentlich nicht. Meine Fans wissen wer ich bin. Ich bin kein Mysterium, ich bin nicht wie Sia und stehe mit einer Perücke auf der Bühne. Ich sehe immer gleich aus. I am who I am. Es gibt auch keine grossen Gerüchte um meine Person oder irgend etwas, dass ich richtigstellen müsste.

Fan Fragen

Sabrina: Gibt es etwas, was du in deinem Leben noch erreichen möchtest?
Ich habe einen starken drang anderen Künstlern zu helfen. Die Musikindustrie holt sich viele junge Künstler, quetscht sie aus und spuckt sie dann auch wieder aus. Nach der ganzen Arbeit, den Aufnahmen, Promo etc, kommt diese andere Abteilung und meint, dass dieses Album sich nicht auszahlen wird und von nun an kein Geld mehr da rein gesteckt wird. That’s it. So läufts dort.

Der eigentliche Wert des Künstlers sinkt dadurch, alle beim Label bleiben nur der Künstler muss gehen und läuft dann quasi mit einem tieferne Wert zur Türe raus als wie er reingekommen ist. Diese Künstler möchte ich dann auffangen, einen Platz zu kreieren wo sie landen können. Die Erfahrung mit dem Label ist, wenn auch nicht sehr positiv, doch sehr informativ. Du lernst rasend schnell wie einfach du manipuliert werden kannst wenn dir Leute den Hintern putzen und dir sagen wie toll du bist, gleichzeitig sind die meisten aber gar nicht an dir oder deiner persönlichen Entwicklung interessiert. Ich schon, ich bin sehr an deiner Entwicklung und vor allem an einer nachhaltigen Karriere interessiert. Mich interessiert das künstlerische, vor allem weil wir mit dieser Art von Kunst einen so grossen Einfluss haben können. Kommen wir zurück zu Hip Hop, dies ist so eine mächtige und kraftvolle Bewegung . Es zeigt klar, was für einen unglaublich grossen Einfluss Künstler haben können.

Jennifer: Welchen Song von dir würdest du gerne von einem anderen Künstler hören?
Es gibt da diesen Song von mir „Another Night Alone“ den ich sehr gerne mal von Stevie Wonder hören würde. Das wäre unglaublich! So was von zuoberst auf der Bucketlist. Sonst denke ich eigentlich nicht gross darüber nach ob einer meiner Songs mal gecovert wird.

Ooooh, moment! Kelly Clarkson! Es wäre so toll wenn sie meinen Song  “Home” aufnehmen würde. Sie hat den Song schon ein paar mal live performt. Ich habe den Song erst kürzlich neu aufgenommen und sie auf Twitter angeschrieben ob sie nicht auch mit ins Studio kommen möchte. Die Einnahmen des Songs würde ich dann an eine Charity ihrer Wahl spenden. Leider habe ich nichts von ihr gehört.

Quick Fire Round:

Als ich heute morgen aufwachte, dachte ich als erstes… dass ich wieder zurück ins bett möchte – hallo Jet Lag.
Am liebsten bin ich… zu Hause!
Pizza sollte niemals… Uuuuhm, sollte niemals in den Hintern geschoben werden… Nein warte, sagen wir doch liebe “sollte keine Ananas drauf haben” haha.
Die besten Songs schreibe ich wenn… Hmmm wenn ich mit anderen Leuten zusammen schreibe. Nicht wenn ich alleine schreibe.
Wenn ich Delfine sehe, denke ich an…  ich denke darüber wie gescheit Tiere manchmal sind!

Super, das wars auch schon, vielen Dank, dass du dir die Zeit für uns genommen hast!
Danke euch!

Wie bereits zu anfang erwähnt, spielte Marc Broussard am Freitag 08.06. dann ein ganz tolles Set in der Schüür in Luzern. Trotz der unglaublichen Hitze waren die Fans in einer super Stimmung. Es wurde viel getanzt und gesungen. Marc und seine Band haben wie im Interview auch angedeutet ganz schön Gas gegeben. Wir haben auch jede Minute genossen und freuen und schon darauf wenn dieser unglaublich talentierte Sänger bald wieder in die Schweiz kommt!

Hier noch ein paar Bilder des Konzertes:

Marc Broussard @ Schüür Luzern, 08.06.2018

 

Share