Interview & Konzertbilder: Jack Savoretti am Zermatt Unplugged 13.04.2018

Wir hatten nicht nur das Glück Jack Savoretti live auf der Zeltbühne zu sehen, wir konnten ihn vor dem Konzert auch noch kurz treffen und ein kurzes Interview mit ihm führen. Der sympathische Engländer hatte sich zuerst noch 2 Filmcrews auf dem Balkon des Hotels gestellt und hatte sich dann nachher kurz für uns Zeit genommen.

Wir habens uns dann auf dem Sofa im warmen Zimmer gemütlich gemacht und dann auch gleich losgelegt. Danke an dieser Stelle an Jack Savoretti für die Zeit und an Zermatt Unplugged fürs oragnisieren des Interviews. 

Interview mit Jack Savoretti

Es ist super dich wieder hier in der Schweiz zu haben! Du hast ja schon ein paar mal am Zermatt Unplugged gespielt, was ist deiner Meinung nach so speziell an diesem Festival?
Die Location ist sicherlich ein ganz grosser Vorteil, ich bin mir nicht sicher ob sogar das Festival selbst das realisiert. Die meisten Musiker – und ich gehöre definitiv in diese Gruppe – sind sich nicht gewohnt an solche Orte zu kommen, zum arbeiten! Wenn ich andere Musiker hier oben treffe, dann merke ich, dass die Atmosphäre und die Stimmung unter  uns ganz anders ist als an anderen Festivals. Normalerweise ist alles eher hektisch und gestresst, nichts läuft wirklich nach Plan. Hier in der Schweiz läuft aber ALLES nach Plan. Dann bist du auch noch von einer solchen schönen Natur umgeben, das färbt auch auf uns ab, wir sind relaxter und generell in einer guten Laune. Ich glaube die Gäste/Fans merken dies auch. Zudem muss ich sagen, das Line Up ist auch immer super. Evtl. bin ich hier etwas voreingenommen, da ich selbst hier auftrete, aber es gibts nicht oft, dass ich wirklich jedem im Programm gerne live sehen möchte.

Wenn wir schon von Festivals mit grossartigem Line Up sprechen – du wurdest eingeladen an Quincy Jones‘ Geburtstags Party zu spielen! Wie fühlt sich das an für so eine Legende spielen zu dürfen?
Es ist schrecklich, schon fast beängstigend um ehrlich zu sein. Wenn jemand wie Quincy Jones einlädt, ist dies aber natürlich eine grosse Ehre, aber ja, es ist schon etwas beängstigend. Es findet ja in der O2 in London statt, da wird also ein riesiges Publikum auf mich warten, scary… 

Du hast aber auch schon in grösseren Arenas gespielt während der Tour mit John Legend letztes Jahr, wie ist das für dich, verglichen mit kleinen Locations?
Es ist komisch, auf der Tour mit John Legend haben wir teilweise auch in kleineren Locations gespielt. In Deutschland schon fast solche, welche wir sonst spielen würden. Aber solche Venues mag ich, dann erwacht die ganze Show so richtig. Sogar eine Show wie seine. Es war echt super, seine Band ist auch unglaublich gut! Ich mag grosse Venues und Arenas, versteh mich nicht falsch, die meisten Musiker arbeiten ja auch darauf hin an solchen Orten zu spielen, aber ich persönlich gehe nicht so gerne in die Arenas um Konzerte zu sehen. Diese Orte sind meist nicht für Musikveranstaltungen gebaut. Mehr für andere grosse Shows und Liveveranstaltungen. In der Musik sollte es nicht um die grösse einer Show gehen sondern um das Gefühl das man kriegt beim zuhören, die Details in der Musik. Es ist als Künstler wie auch als Fan schwierig in grossen Arenen eine Connection zueinander zu finden. Wenn ich an Konzerte in grossen Hallen gehe, merke ich das selbst auch. Als Künslter auf der Bühne gibt es zwar gewisse Nächte wo alles super klappt und die Connection sofort da ist – vielfach hilft auch gutes Licht um eine Arena in einen kleinen Jazz Club zu verwandeln. Wenn das passiert, ist es natürlich grossartig, aber es ist extem schwierig!

Das verstehen ich gut. Ich habe gerade erst Bob Dylan im Hallenstadion in Zürich gesehen, ich bin mir nicht sicher ob seine Musik wirklich für so grosse Stadien gedacht ist.
Oh, das kann ich mir auch gut vorstellen. Mein erstes Konzert war lustigerweise Bob Dylan im Hallenstadion! Es war unglaublich, die Halle war nämlich halb leer. Ich konnte zur Bar gehen und ein Bier holen und wieder zurück in die erste Reihe laufen. Es ist aber eine Weile her, ich war glaube ich so 16, müsste also ca. 1999/2000 gewesen sein. Ich war etwas schockiert, dass Bob Dylan wirklich nur ein kleines Männlein auf der Bühne war. Ihm war wohl auch egal ob wir da waren oder nicht… Das war auch der Moment als ich zu mir selbst sagte: „Oh, das ist ein cooler Job – wenn er das kann, sollte ich das auch probieren – abgesehen davon, dass er ein Genie ist! Es war aber mehr die Tatsache, das ich einfach einen kleinen Mann auf der Bühne gesehen habe.

Dein Duett mit Imelda May war übrigens super – hast du noch andere Musiker, auf deiner Liste, mit welchen du gerne zusammen arbeiten möchtest?
Hmmm, ganz ehrlich, ich habe erst gerade mit jemandem zusammen gearbeitet, mit dem ich niemals gerechnet habe. Und ich muss zugeben, es war einer der erfüllendsten Erfahrungen, nicht nur in meiner Musikkarriere, aber auch als Mensch. Letztes Jahr habe ich einen Song mit Kylie Minogue geschrieben, für einen Irischen Film namens „Halal Daddy“. Wir haben den Song total unbeschwert geschrieben, der Song war nie für ein Album geplant, keiner von uns wollte den anderen beeindrucken. Eine bestimmte Szene im Film brachte uns dann auch dazu über unsere personlichen Erfahrungen zu reden, was dann dazu führte, dass wir einen ziemlich intensiven und eigentlich traurigen Song schrieben. Ich hab so auch eine ganz andere Seite von Kylie gesehen, welche viele wahrscheinlich noch nie gesehen haben. Eine sehr introvertierte und vertraute aber auch intensive Kylie. Ich war so happy mit dem Song und kann mich gut erinnern, wie ich nach dem fertigstellen des Songs zu mir sagte „Wow, was für ein Erlebnis!“. Vor knapp 6 Monaten hat mich Kylie angerufen und gefragt ob es OK wäre, wenn sie unser Lied als letzer Song auf ihr neues Album nimmt. Natürlich musste ich da nicht lange überlegen und habe sagte sofort zu.

Gibt es den noch jemand anders, mit welchem du gerne arbeiten würdest?
Ach Gott, die Liste ist riesig. Auf die Gefahr hin wie ein komischer Fan zu tönen, muss ich sagen, es hat schon lange keiner mehr geschafft mich so sprachlos zu machen, wie Norah Jones gestern Abend. Sie ist echt einmalig. 

Wenn wir schon beim Songwriting und Texten sind… Ich weiss, dass deine Songs immer sehr persönlich und oftmals auch etwas traurig sind. Ein Song der mir persönlich sehr gut gefällt ist „Not Worthy“, kannst du uns etwas mehr über dieses Lied verraten?
Es geht quasi darum wie ich mich ergebe und sage, ich bin echt nicht gut in all dem. Ich bin nicht würdig hier mit dir zu sitzen. Es ist eigentlich ein ziemlich trauriger Song, verkleidet in einem Trink-Song. Es geht um Selbstzweifel und darum, wie man sich selbst nicht gut genug fühlt um die Bedürfnisse eines anderen zu erfüllen. Ich denke viele Menschen können auf Grund von eigenen Unsicherheiten bei diesem Song mitfühlen. So traurig es auch ist, mit einem kleinen Augenzwinkern, sage ich aber auch „wer bist du, dass du über mich urteilen kannst“. Quasi, ich bin zwar unsicher, aber es ist dein Problem wenn du das nicht siehst.

Fan Fragen 

Der erste Teil des Interviews ist jetzt vorbei. Wir haben unsere Follower/deine Fans gefragt, was sie von dir wissen wollen. Hier sind ein paar:

Sandra: Ist dir jemals etwas peinliches auf der Bühne passiert?
(Noch bevor Jack antworten kann, fangt sein Manager Niko an zu lachen…)

Jack: Hey, warum lachst du? Du erinnerst dich wahrscheinlich eher wie ich. Ich probiere solche Momente jeweils aus meinem Gedächtnis zu streichen.
Niko: Ich glaube das war nicht wirklich peinlich, aber weisst du noch wo die Decke am Montreux Jazz Festival kurz davor war auf dich zu fallen?
Jack: Oh ja!! Ich war Support Act für Deep Purple. Es war wirklich cool… Anfangs wusste ich gar nicht, dass ich für Deep Purple eröffnen sollte, dann wurde mir erst gesagt ich solle 30min spielen, kurz darauf 40min und kurz bevor ich auf die Bühne ging, fragte man mich ob ich nicht ca. 1h spiele könne, da Deep Purple noch nicht ready waren. Stell dir vor, ich alleine mit einer akustischen Gitarre vor einem Deep Purple Publikum. Es war aber eigentlich super, das Publikum war toll! Nach ca. Der hälfte der Show spürte ich aber, wie mir immer wieder Wasser auf den Kopf tropfte. Ich habe mir dann aber immer wieder eingeredet, dass nichts passiert. Dann merkte ich, wie auch die Leute anfingen nach oben zu schauen. Das war zwar nicht wirklich peinlich, aber bleibt doch in erinnerung. Mein Bassist ist einmal von der Bühne gefallen, ich musste ihm dann auf helfen, oder einmal habe ich angefangen Gitarre zu spielen, ohne sie einzustecken, das sind sonst so die „peinlichen“ Sachen die passiert sind.

*wieder ein mal wurde die Zeit knapp, ich konnte also leider nur eine der vielen Fan fragen stellen… *

Quick-Fire round!

Wenn ich ein Flugzeug steige möchte ich… einfach nur Musik hören und schlafen.
Das letzte Buch, welches ich gelesen habe ist… Another Country von James Baldwin
Zermatt ist… Awesome!
Wenn ich an Affen denke…. denke ich an mich selber! (Gelächter geht durch den ganzen Raum) – yep, mich selber. Das war jetzt aber sehr aufschlussreich, in jeder Hinsicht haha. Ich mag diese Frage!

Das wars auch schon wieder von meiner Seite. Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. Ich freue mich schon auf die Show heute Abend!
Danke dir, was war toll dich zu treffen. Wir sehen uns später!  

 

Etwas später, hat Jack Savoretti dann am Zermatt Unplugged gerockt! Die Leute im ausverkauften Zelt waren sichtlich angetan. Es wurde dann sogar aufgestanden und geklatscht und getanzt (was anscheinend nicht so oft der Fall sei – hab ich mir sagen lassen). Ich habe Jack ja bereits ein paar mal Live gesehen, ich wusste also eigentlich genau was mich erwartet. Trotzdem schafft er es mich mit seiner Stimme immer wieder zu überraschen. Seine lockere Art und die Interaktionen mit den Fans machen ein Jack Savoretti Konzert immer wieder wunderbar!

Wenn ihr mehr übers Zermatt Unplugged erfahren wollt, einfach hier klicken: Zermatt Unplugged 2018

Concert Pictures: Jack Savoretti – Zermatt Unplugged 13.04.2018

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