Interview mit Kelvin Jones in Zürich

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Letzten Dienstag hatten wir die Chance, uns kurz mit Kelvin Jones hinzusetzen und ihn mit Fragen zu löchern. Der junge Brite war gerade unterwegs auf einer kleinen Promo-Tour und machte Halt in Zürich um im Kinski seinen ersten Gig in der Schweiz zu spielen.

Ein paar von euch haben evtl. schon gesehen, dass es hier interessante Infos zu Kelvin’s male celebrity crush gibt… Wenn ihr mehr wissen wollt, einfach weiter lesen.

Für die Leute die dich nicht kennen, beschreibe deine Musik mit 3 Worten
Pop und vielleicht ein wenig Blues – das „vielleicht“ wäre dann mein 3. Wort. Ganz klar Pop, aber ich denke da ist schon auch ein kleines bisschen Blues dahinter.

Yep, das hört sich schon richtig an. Ich habe ja bereits in dein Album reinhören dürfen und muss sagen, es war richtig erfrischend für mich…
Echt? Super, das freut mich. Es ist immer schwierig Musik zu machen, die sich nicht genau gleich anhört wie alle andere Musik.

Du warst ja jetzt einige Tag unterwegs, hast kleinere und grössere Konzerte gegeben. Hattest du bis jetzt schon irgend ein Highlight erlebt?
Oh ja, und wie. Einen Moment der mich fast zum weinen brachte auf der Bühne. Es war an einem Festival in Deutschland vor fast 2000 Leuten. Am Schluss meines Songs „Call You Home“ bat ich die Leute ihre Handys raus zu nehmen, die Lichter anzuschalten und mitzusingen. Total cheesy aber es war wunderschön. Wenn du da stehst, 2000 Leuten zu schaust wie sie deinen Song singen – ich kann mich noch erinnern, dass ich den Song vor nicht allzu langer Zeit noch in einem Pub vor 5 besoffenen Leuten gespielt habe – dann ist das einfach atemberaubend. Wirklich ein schöner Moment. Es sah echt toll aus von da oben. Das ist eigentlich auch das schöne daran auf der Bühne zu stehen. Ich kann alle Gesichter sehen, die lachenden Gesichter und die Reaktionen zu den Songs. SUPER!

Ich hab gelesen, dass Jones Beach deine lieblings Venue ist, warum genau dieser Ort?
Ich würde sagen, es ist mehr wie meine Traum-Venue. Ich war noch niemals da, hab nur Bilder gesehen (es ist auch nicht wegen meinem Namen *lacht*) – aber es sieht doch einfach sooo cool aus? Darum hoffe ich einfach, dass ich irgendwann in 50 Jahren oder so, dann auch mal da auf der Bühne stehen werde. Es ist so mein heiliger Gral.

Echt? Was ist denn mit der Royal Alber Hall oder O2 etc.?
Das ist’s genau. Alle wollen in diesen Hallen spielen. Aber ich denke es gibt unter all diesen grossen Venues sehr viele, die zwar für Musik Events genutzt werden, aber nicht für Musik geschaffen wurden. Die Sound Qualität ist daher auch nicht so gut. Klar, ich würde sicherlich nicht nein sagen, wenn ich dort spielen könnte 😀 Aber sonst, sind die für mich nicht so wichtig.

Wie siehts bei dir aus, was kommt zuerst. Die Musik oder die Lyrics?
Bei mir ist’s definitiv die Musik, 100% jedes Mal. Da bin ich wohl das genaue Gegenteil von Bob Dylan. Anfangs interessierten mich die Texte gar nicht so. Eine Freundin hatte mir dann aber gesagt, dass die Texte für sie enorm wichtig seien. Tja, ab dann wusste ich, dass ich mir meine Texte nochmals etwas genauer anschauen musste. Nach wie vor, kommt bei mir die Musik zuerst. Für mich ist’s zu schwierig, zu einem Text die Musik dazu zu schreiben. Umgekehrt, geht’s bei mir aber schon fast wie von selbst. So auch bei meinem Song „Call You Home“, ich spielte eine Melodie auf der Gitarre und die Worte kamen einfach so hergeflogen.

Alles klar, interessant. Wo es doch bei vielen andersrum ist, oder?
Das ist schon so. Die ganzen Ben Howards etc, ihre Texte brauchen teilweise gar keine Musik dazu. Die Texte an sich sind bereits Meisterstücke und Gedichte. Das kann ich z.B. nicht. Bei meinen Songs sind die Texte immer ziemlich deutlich. Eines meiner lieblings Songs, welcher ich geschrieben habe, Closer, heisst’s im refrain: We could be closer if you wanted to. Das ist offensichtlich weit weg von Poesie, es ist ziemlich eindeutig und klar. Das scheint für mich der richtige weg.

Wir haben deinen grössten Moment, dein Highlight bereits angesprochen. Gab’s aber auch schon einen Tiefpunkt?
Der Tiefpunkt ist eigentlich jetzt… Also nicht jetzt in dieser Minute. Moment, lass mich das erklären: Es gibt da halt so verschiedene Phasen… Angefangen mit dem Song, du schreibst ihn – da bist du 100% dafür verantwortlich, wenn er scheisse ist, ist’s deine Schuld, aber auch wenn er super ist, steckst du dahinter. Du machst ein Album, auch da liegt es eigentlich wieder in deinen Händen, es kann super werden oder auch nicht. Aber dann kommt diese Phase, der Song muss Radiotauglich sein um weiter zu kommen. Da bist du zum ersten Mal seit langem machtlos und hast nichts mehr mit dem Erfolg oder Misserfolg zu tun. Es liegt einfach nicht mehr in deiner Hand. 90% meiner Zeit verbringe ich damit, mir Gedanken zu machen ob mein Songs gut läuft oder zu hoffen, dass meine Songs eine Verbindung zu den Leuten schafft. Das ist jetzt also eine ziemlich herausfordernde Zeit für mich.

Ok, jetzt aber noch eine etwas schwierigere Frage an dich. Nach all diesen Interviews, kannst du da sagen, dass es eine Frage gibt die du so gerne beantworten möchtest, sie aber nie gestellt wird?
Oha, ja die ist tricky… Da gibt’s bestimmt was…. Wenn’s aber eines ist, dass ich bei allen Interviews irgendwie rüber bringen möchte, dann ist’s der Grund warum ich Musik mache. Das ist mir extrem wichtig. Es läuft momentan so viel in der Musik, da verliert man sich schnell. Bei mir ist’s aber schon so, wenn ich nicht wirklich unbedingt Musik rausbringen muss (mit „müssen“ meine ich, dass es von mir aus kommt, dass ich den Drang habe etwas zu „erzählen“), dann lass ichs lieber sein. Es soll nicht einfach ein weiteres Album sein, im Stil von „oh cool, ja ist gut“ und weiter zum nächsten. Für mich ist das teilen meiner Musik mehr auch ein zurückgeben, eine Art sich wieder mit verschiedenen Dingen zu verbinden. Es gibt momentan so viel Musik da draussen, in den Charts etc. Versteht mich nicht falsch, ich finde die Chart Musik super, es ist alles Musik für eine bestimmte Stimmung wenn man kurz davor ist in den Ausgang zu gehen. Hört euch ja nicht meine Musik an bevor ihr weg wollt, das macht gar keinen Sinn *lacht*. Bei meinen Songs gibt’s einfach diesen Unterschied. Wenn ein Song so richtig zu dir spricht und du ihn „verstehst“ – hast du doch ein ganz anderes Gefühl in dir selbst, oder? Und das ist es was ich gerne rüberbringe, den Fact, dass ich genau das den Leuten mitgeben möchte. Dieses andere Gefühl…

So, und hier könnt ihr gleich mal Kelvin Jones’ Video zu seiner Single„Call You Home“ sehen:

 

Das waren jetzt eigentlich schon alle regulären Fragen. Am Schluss aller unserer Interviews, haben wir aber jeweils ein paar Sätze angefangen, welche ihr beenden solltet, ready?
Ja klar, leg los!

Wenn ich kein Musiker wäre, hätte ich einen Job als…
… Ich hätte keinen Job. Ich würde wahrscheinlich eine andere Karriere haben die mehr schlecht wir recht wäre. Ich würde etwas abnormales probieren, ein Clown sein oder Designer – halt keinen normalen 9-5 Job.

Wenn ich eine Frau wäre, dann wäre mein male celebrity crush…
Ach, das ist einfach… Lass mich kurz überlegen. Ok vielleichtnicht so einfach, aber ich kann doch zugeben wenn jemand gut aussieht. Ääähm, hmmm uuuuh… *2 Minuten später* – OK, also, ich wähle einen Musiker… Oh moment nein, das wäre komisch, wenn ich denn dann jemals treffen würde 🙂 Also, Schauspieler! Chris… Wie war nochmals sein Name? Der aus Star Treck? (Kelvin dreht sich um zu seinem Tourmanager und fragt ihn… Er antwortet fragend, William Shatner? Natürlich wusste er nicht welche Frage ich Kelvin stellte –was natürlich zu Gelächter von Kelvin und mir führte) Auf jeden Fall meine ich den Typ aus Star Trek, Chris irgendwas. Oder vielleicht auch Liam Hemsworth – die beiden können dann um mich streiten 😀 (wir haben dann doch noch herausgefunden, dass Kelvin Chris Pine meinte).

Kurz bevor ich einschlafe, denke ich an…
… Momentan? An Chartplätze – aber Moment, lass mich das auch erklären. Es geht mir nicht darum, einfach einen Nr 1 Hit zu haben. Es ist einfach so, dass bei einer guten Platzierung, ich eher die Chance erhalte, nochmals ein Album zu produzieren und das würde ich so gerne nochmals tun!

Ich werde immer wieder zurück nach Zurich kommen, weil…
… es irgendwie wie ein schöneres Deutschland aussieht – und ich mag Deutschland!

Super, du hast nun wahrscheinlich bei einem Grossteil der Schweizer viele Pluspunkte gesammelt. Das war’s eigentlich auch schon, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast und unsere Fragen beantwortet hast.
Danke euch, ich hatte auf jeden Fall Spass!

 

So, das war’s dann auch schon wieder… Ich muss euch sagen, das war echt ein tolles Interview. Diejenigen die mich kennen, wissen, dass ich super nervös werde, wenn ich mit berühmten Leuten reden muss. Solche Interviews sind also für mich immer wieder nervenaufreibend. Diese Mal war’s aber anders. Es machte Spass, vor allem auch weil Kelvin ein sehr angenehmer Interviewpartner war. Er scheint ein ganz toller Typ zu sein und auch noch sehr auf dem Boden geblieben. Falls ihr ihn noch nicht kanntet, notiert euch unbedingt den 16. Oktober – dann kommt nämlich sein erstes Album „Stop The Moment“ raus. Ich durfte ja bereits schon reinhören, ihr dürft also gespannt sein. Es ist nämlich ein ganz cooles Album.

Die Show später am Abend war auch so richtig cool. Das Publikum war ziemlich überschaubar (die Location war ja auch winzig), ich bin aber sicher, dass Kelvin viele der anwesenden – wenn nicht gar alle – mit seinen Songs berührte. Ich finde es ja immer unglaublich, wie gewisse Leute einen ganzen Raum zum schweigen und zuhören bringen können, nur mit der Stimme und einer Gitarre. Auf jeden Fall, rate ich euch, wenn der Herr wieder in die Schweiz kommt, unbedingt ans Konzert zu gehen!

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